Kleine Auszeit: "Es taut..."
27.02.2026
Kleine Auszeit von Anne Vollert, Entlastungspastorin im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg
Es taut –
aber mir ist trotzdem kalt. Innerlich.
Und da lese ich im Predigttext für morgen (Röm 5,1–5): „Wir haben Frieden mit Gott.“ Frieden. Ein großes Wort.
Ehrlich gesagt kommt es mir eine Nummer zu groß vor. Als würde es nicht recht passen. Wie ein weiter Pullover um meine Seele. Er rutscht, man muss ihn festhalten, und durch die Maschen pfeift der Wind. Der Frieden wirkt zerbrechlich. Gefährdet.
„Wir haben Frieden mit Gott.“ Eine schwierige Überschrift über diese Passionszeit, der Fastenzeit vor Ostern. Die Geschichten der Passionszeit erzählen doch von der Gefahr, in der der Frieden steht. Gott selbst kommt unter die Räder. Er, der alle Macht hat, wird ohnmächtig. Liefert sich aus. Leidet unter Hass und Gewalt.
Frieden mit Gott. Wie gut täte das in einer Zeit, in der allerorten Passions-, also Leidenszeit ist.
Manches erscheint zu groß. „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude, ein bisschen Wärme …“ Wäre das nicht schon genug?
Aber ein bisschen Vertrauen genügt nicht. Ein bisschen Hoffnung trägt nicht.
Wir brauchen große Worte gegen den Kleingeist. Gegen allen Kleinmut. Worte wie Liebe, Hoffnung, Vergebung, Barmherzigkeit. Verstummen sie, werden die kleinen Wörter lauter: „nur wir“, „mein“, „ohne dich“, „mehr für mich“.
Wir sind es der Welt schuldig, groß zu denken. Groß zu glauben. Groß zu hoffen. Ja: Und groß zu reden. Wärmendes wie: Von einer Hoffnung, die größer ist als unser kleiner Glaube. Von einer Liebe, die weiter ist als unser enges Herz. Sonst machen wir nicht nur uns selbst klein, sondern auch Gott.
Lasst uns reden von: Gott, der die Welt anders will. Dass es Auferstehung gibt. Dass wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott setzen – gegen Tod, Gewalt und Hass. Von Gottes Liebe, die unser Herz erfüllt, bis es überschwappt.
Und dann wird Friede – und der passt.