Kleine Auszeit "Gott hat keine Angst vor schmutzigen Händen"
04.09.2026
Kleine Auszeit von Pastor Daniel Karstens, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Satrup
Wenn ich an einen Kuhstall denke, habe ich sofort diesen typischen Geruch in der Nase: eine Mischung aus frischem Heu und Mist. Dazu der warme Atem der Tiere, das ruhige Klappern am Futtertisch und das gleichmäßige Kauen der Kühe. Hier fühle ich mich zuhause.
Trotzdem haben viele Menschen gelernt, Schmutz um jeden Preis zu vermeiden. Alles muss desinfiziert sein, die Oberflächen steril, die Zimmer klinisch rein.
Die Medizin dreht dieses Denken gerade komplett um. Das Stichwort heißt „Bauernhof-Effekt“. Kinder, die im Stall aufwachsen, zwischen Heu und Hof, Trog und Tier, haben viel seltener Allergien oder Asthma. Ihr Immunsystem wird durch diesen Schmutz trainiert.
Gott hat uns nicht für eine sterile Plastikwelt gemacht. Er hat uns in eine lebendigeund manchmal auch dreckige Erde gestellt. Unser Körper braucht diesen Kontakt mit der Umwelt.
Wir Menschen versuchen oft, unser Leben steril zu halten. Wir verstecken unsere Fehler, polieren unsere Oberflächen und wollen perfekt wirken.
Aber eine künstliche,saubere Scheinwelt rettet uns nicht vor den Krankheiten unseres Herzens: vor Schuld, Angst, Einsamkeit, Beziehungsabbrüchen und der Trennung von Gott. Und auch ein Glaube, der nur in einer sterilen Umgebungexistiert, ohne Zweifel, Krisen oder Fehler,reift nicht.
Wir wachsen im echten, anstrengenden Leben. Uns die Hände schmutzig zu machen, für andere da zu sein, Konflikte auszuhalten und mit den eigenen Fehlern zu leben – genau das trainiert unsere Abwehrkräfte und unseren Glauben.
Übrigens: Gott selbst hat keine Angst vor Dreck. Jesuskam nicht in einem sauberen Palast zur Welt, sondern mitten im Staub und Geruch einer einfachen Unterkunft. Er hat die Menschen berührt, die damals als unrein galten, und war genau da, wo das Leben kompliziert und unperfekt war.
Daran will ich mich immer wieder erinnern: Im Stall fing Gottes Rettung an.