Kleine Auszeit: "Nicht ganz bei Trost?"
20.03.2026
Kleine Auszeit von Pastor Kai Hansen, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Haddeby
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber es geht mir dieser Tage öfter durch den Kopf: „Die sind doch nicht bei Trost“. Im Nahen Osten schießen sie um sich wie im Wild-West-Saloon, ohne erkennbare Perspektive. In der Ukraine sowieso; daran haben wir uns fast schon gewöhnt. Die Energiepreise steigen, aber die Erneuerbaren werden kleingehalten. Und im Alltag schreien sie bei jeder Zumutung auf: Schienenersatzverkehr! Beim Fußball eine Rote Karte! Ein Trecker vor sich! Dass das WLAN ausfällt!
„Die sind doch nicht bei Trost!“: Das ist Empörung, klar. Aber vielleicht steckt mehr darin: Wer nicht „bei Trost“ ist, ist ja trost-los. Allein. Und sucht sich anderswo Halt und Bestätigung; das ist psychologisch sicher sehr interessant. Wer nicht bei Trost ist – was ja eigentlich armselig ist – , brüllt, droht, spielt seinen Einfluss aus, ringt um Bedeutung und setzt auf Macht.
„Nicht ganz bei Trost“ sind gerade viele, auch auf andere Weise: wenn die Rechnungen steigen, wenn die Sorgen wachsen – auch um unser Land und unser Miteinander – und wenn niemand mehr so genau weiß, wohin das alles führen soll. Wenn das alles schlicht wehtut. Dann braucht ein Mensch Zuwendung: ein Zeichen, dass er das alles nicht allein hinkriegen muss, und jemanden, die oder der dabeibleibt und aushält. Das hat mit Treue zu tun. Und es hilft sehr.
Und wir selbst – sind wir bei Trost? Vielleicht ja nicht so ganz, auch als Christenmenschen… In der Bibel heißt es, der „Gott allen Trostes“ will uns „trösten, wie einen seine Mutter tröstet“, und Jesus nennt Gottes gute Kraft manchmal schlicht „Tröster“. Wohl denen, die das spüren können, im Inneren und dort, wo Menschen füreinander da sind. Wir brauchen ihn dringend. Darum die Frage zum Wochenende: Wo findest du Trost?