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Kleine Auszeit: "Ostern - das einzig weibliche germanische Fest?"

10.04.2026

Kleine Auszeit von Pastor Alexander Westbrock, Kirchengemeinde Stapelholm

„Ostern ist eigentlich ein weibliches Fest“ – so lautet die These, auf die ich auf Instagram gestoßen bin. Ostern sei ursprünglich ein weiblich geprägtes Frühlingsfest gewesen, das vom christlichen Patriarchat „übernommen“ worden sei. Als Beleg werden die bekannten Fruchtbarkeitssymbole Ei und Hase angeführt, die angeblich besser zu einem vorchristlichen Kult passen als zur Geschichte des „Mannes Jesus“.

Statt die Auferstehung Jesu sollte die germanische Frühjahrsgöttin Ostara gefeiert werden. Die historische Grundlage dafür ist erstaunlich dünn: der Mönch Beda Venerabilils vermutet im 8. Jahrhundert, das Wort Ostern komme von einer germanischen Göttin Ostara, ohne weitere Quellen zu nennen. 1835 greift dies Jacob Grimm auf und wird 1935 von einem NS Monatsheft übertroffen, das behauptet Ostern sei das „einzig germanische Fest“ gewesen.

Angesichts dieser unsicheren Quellenlage erscheint mir folgende Erklärung für das Wort „Ostern“ plausibler. Ostern kommt von „Ostarun“ und bedeutet „Morgenröte“. Dabei handelt es sich um eine Fehlübersetzung aus dem Lateinischen. An Ostern wurde vor Jahrhunderten getauft - in weißen Taufkleidern, auf Latein „Albae“. Und zu Ostern sind Altäre und Kanzeln noch heute in weißen Farben geschmückt.

Ostara wird verehrt, obwohl es sie nie gegeben hat, verehrt mit einem teilweise rechtsextremen Unterton.

Die Argumentation lässt zentrale Aspekte des Osterfestes außer Acht. Deshalb spielen die Symbole wie Hase und Eier eine größere Rolle als die tatsächliche Lebens- und Leidensgeschichte eines jüdischen Menschen namens Jesus von Nazareth.  Sie übersieht völlig die Frauen, die sich unterm Kreuz und auf den Weg zum Grab am Ostermorgen als erkennbare  Sympathisantinnen in Lebensgefahr begeben,. übersieht die Geschichte von Jesus und Maria Magdalena als die Geschichte einer Freundschaft statt einer Liebesgeschichte. Ohne diese mutigen Frauen hätten wir niemals von der Auferstehung erfahren und niemals Ostern feiern können.  Es gibt mehr zu entdecken, als Hase und Eier auf den ersten Blick vermuten lassen.