Kleine Auszeit: "Was mir Hoffnung macht"
30.01.2026
Kleine Auszeit von Johannes Ahrens, Stadtpastor in Flensburg
Was mir derzeit noch Hoffnung macht? Bei allem, was so ist?
Für mich sind es die stillen Helden. Sie leuchten unbeirrt mit ihrer kleinen Hoffnungsfunzel in der finstersten Finsternis einfach weiter.
Der italienische Radrennfahrer Gino Bartali zum Beispiel. Während der Besetzung Italiens durch deutsche Truppen soll er als Kurier heimlich Dokumente in seinem Fahrradrahmen geschmuggelt und so 800 Juden vor der Deportation bewahrt haben.
Oder Ella Gärtner, Estusia Wajcblum, Regina Safirsztain und Róza Robota. Vier jüdische Frauen, die im Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau in der Waffenproduktion arbeiten mussten. Über ein Jahr lang sammelten sie Schießpulver in kleinsten Mengen und ermöglichten so den Aufstand im Lager 1944. Die Dokumentation „Sabotage“ läuft gerade auf ARTE.
Oder Otto Weidt, der in Berlin eine Blindenwerkstatt betrieb und sich schützend vor seine jüdischen Mitarbeiter stellte. Ihm und anderen ist die Ausstellung „Stille Helden“ in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin gewidmet.
Es gibt Hoffnung, weil Menschen sich nicht einschüchtern lassen. Bis heute. Indem sie zum Beispiel die ICE-Einsätze dokumentieren - und so Unrecht sichtbar machen. Zu ihnen gehörten auch Renée Good oder Alex Pretti. Oder die weltberühmte Unbekannte, die unverschleiert auf einer Teheraner Verkehrsinsel tanzt. Auch feiere ich das von seiner Partei nicht bestellte Berliner Denkmal für Walter Lübcke.
Ja, es gibt viel Dunkelheit derzeit. Aber es leuchtet auch überall. So wie heute vor einer Woche auf dem Flensburger Südermarkt. Mut und Witz, Ideenreichtum und Zusammenhalt sind Geschwister der Hoffnung. Gott sei Dank.