Nachbarschaftsauto: V.l.n.r.: Pastor Ingo Gutzmann, Carsten Redlich, Kunde Nr. 1 Pastor Lars Wüstefeld, Bürgermeister Heiko Traulsen (Foto: Ahrens)

Nachbarschaftsautos in Kappeln: Fürs Klima und mehr Lebensqualität

24.11.2021

Teilen ist das neue Haben, sagt Pastor Ingo Gutzmann. Er ist einer der drei Partner, die das Projekt „Nachbarschaftsauto“ für Kappeln auf die Bahn geschoben haben. Seit dem 23.11.2021 stehen sie in Form von zwei Elektroautos in Pole-Position auf dem Kappelner Scheunenfeld.

Ab Montag, 29.11.2021 können Kappelner und ihre Gäste sie ausleihen - für den Einkauf, einen Ausflug, den Weg in den Baumarkt oder wohin auch immer. 

Die „Nachbarschaftsautos“ haben die Evangelische Kirche, die Stadt Kappeln und cambio CarSharing gemeinsam als Projekt ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Ein Beitrag zum Klimaschutz und für mehr Lebensqualität der Kappelner und ihrer Gäste.

Kurz nachdem die funkelnagelneuen E-Autos geladen sind, steigt Kunde Nr. 1 auch direkt ein. Vorher hat er sich registriert, seinen Führerschein gezeigt, die Karte zum Öffnen der Autos bekommen und ist somit startklar, das cambio CarSharing-System zu nutzen. Es ist Pastor Lars Wüstefeld, der sich aufmacht, um einem Gemeindemitglied zum Geburtstag zu gratulieren. 

Sein Fazit nach der ersten Fahrt: Lars Wüstefeld ist begeistert vom Nachbarschaftsauto und plant, es ab sofort regelmäßig für Dienstfahrten zu benutzen. Er sagt: „Wir haben als Familie ein Auto. Und das reicht manchmal eben nicht, wenn wir es sowohl für Dienst- als auch Privatfahrten brauchen. Da ist es gut, auf ein CarSharing-Angebot zurückgreifen zu können.“

Er lobt nicht nur das sanfte Fahrgefühl des E-Autos und dass es gleichzeitig „wumms hat“, wie er sagt, sondern auch die einfache Bedienung des Renault Zoe und die Geste von cambio CarSharing, selbstverständlich einen Kindersitz im Kofferraum vorzuhalten. 

„Jemand wie Pastor Lars Wüstefeld ist ein typischer Kunde“, sagt der Prokurist von cambio CarSharing, Carsten Redlich. „Das CarSharing richtet sich vor allem an Menschen, die entweder kein eigenes Auto haben oder manchmal einen Zweitwagen benötigen.“ Dabei gehe es beim CarSharing um mehr als ums Autofahren. Menschen haben so mittelfristig die Möglichkeit, ihr Mobilitätsverhalten im Sinne des Klimaschutzes zu ändern. Zu einem guten Konzept gehören Fahrradfahren, zu Fuß gehen, der öffentliche Nahverkehr und eben auch das CarSharing. Gelingen kann es aus seiner Sicht nur, wenn mehrere und vor allem lokale Partner mit im Boot sind. 

Von daher ist er dankbar, dass die Ev. Kirche vor Ort vor einiger Zeit eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und dann die Idee des Nachbarschaftsautos eingebracht hat. Bei der Stadt Kappeln ist diese Idee sofort auf offene Ohren gestoßen. „Wir haben parallel überlegt und gesucht, wie wir so ein sinnvolles Projekt umsetzen können“, beschreibt Bürgermeister Heiko Traulsen. Für die gemeinsamen Nachbarschaftsautos stellt die Stadt die Stellplätze, hat für Ladeinfrastruktur gesorgt und springt -wie auch die Kirche - in den ersten Jahren ein, wenn sich das Projekt noch nicht tragen sollte. 

Auch Initiator Pastor Ingo Gutzmann und der Klimaschutzmanager des Ev.-Luth. Kirchenkreises Schleswig-Flensburg, Stephan Janbeck sind sich sicher, dass es seine Zeit brauchen wird, um neue Formen der Mobilität in den Alltag zu integrieren. Ingo Gutzmann sagt: „Mobilität braucht keinen Besitz. Teilen ist das neue Haben.“

Damit das möglichst viele erfahren, planen die drei Projektpartner im nächsten Schritt einen Info-Brief an alle Kappelner Haushalte. Zum Frühjahr dann sind Infostände und Aktionen für Ferienhausvermieter*innen geplant. Und wer jetzt schon so weit ist, das Kappelner CarSharing auszuprobieren, kann sich im Kappelner Rathaus registrieren und dann seine Fahrten per Internet, Telefon oder per App buchen. Die Empfehlung des Kunden Nr. 1, Pastor Lars Wüstefeld: „Besonderen Spaß hat die Fahrt mit dem E-Auto über die Schleibrücke gemacht.“ Gute Fahrt.