Verkauf der Diako-Klinik: Emotionen und Fakten beim Gespräch in der Flensburger St. Johannis-Kirche
24.01.2026
In der bis auf den letzten Platz besetzten St. Johannis-Kirche ging es am Donnerstagabend, 22.1.2026 um die Hintergründe und Folgen des Krankenhausverkaufs durch die Diako an die Malteser.
Unter dem Titel „Anfang vom Ende des DIAKO-KRANKENHAUSES“ hatte die Ev. Kirche in Flensburg mit ihren Kirchengemeinden St. Nikolai und St. Johannis, dem Stadtpfarramt und dem Diakonischen Werk zum Gesprächsabend eingeladen.
Zu Wort kamen Impulsgeber:innen und Gäste
Zu Gast waren als Impulsgeber:innen Pröpstin Rebecca Lenz, Diako-Geschäftsführer Pastor Dirk Outzen, Ortspastorin Kristina Fiedler, Diakoniepastorin Birgit Lunde, die im Arbeitskreis Schwangerschaftsabbruch mitarbeitet, sowie die Flensburger Verfassungsrechtlerin Prof. Dr. Anna Katharina Mangold. Sie beschäftigt sich mit Schwangerschaftsabbrüchen aus arbeits- und verfassungsrechtlicher Sicht.
Unter der Moderation von Stadtpastor Johannes Ahrens und Nikolai-Pastor Dr. Marcus Friedrich kamen neben den Impulsgeber:innen zahlreiche Gäste zu Wort – und das zum Teil sehr emotional. Redner:innen waren hauptsächlich ehemalige und aktuelle Mitarbeiter:innen des Diako-Krankenhauses sowie viele, die sich um die Versorgung von Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen sorgen.
Hohe Verbundenheit mit der Diako wird deutlich
Ein pensionierter Arzt, der mehrere Jahrzehnte in der Diako gearbeitet hat, sagte, er fühle sich „verraten und verkauft“, ein anderer zeigte sich „verletzt und entsetzt“, weil der Einfluss auf die Flensburger Gesundheitsversorgung in Gefahr sei. Vorwürfe waren, dass der Aufsichtsrat nicht genug für das Krankenhaus gekämpft habe und dass die Bevölkerung früher hätte einbezogen werden müssen. Ein Gast sagte: „Wenn das rechtzeitig öffentlich gewesen wäre, hätten wir als Stadtgesellschaft kämpfen und eine Lösung finden können.“
Rebecca Lenz spricht als Aufsichtsrat, als Pröpstin und als Frau
Pröpstin Rebecca Lenz beschrieb in ihrem Impuls die verschiedenen Perspektiven, die sie zu diesem Thema habe: Als Aufsichtsratsmitglied trage sie die Entscheidung mit, die Diako zu verkaufen. Es habe betriebswirtschaftlich keine andere verantwortliche Möglichkeit gegeben, so Lenz. Als Pröpstin bedaure sie zutiefst, dass es bald kein evangelisches Krankenhaus mehr in Flensburg gebe und als Frau sei es für sie kaum aushaltbar, dass in Flensburg bald keine Schwangerschaftsabbrüche im klinischen Kontext mehr möglich sei.
Die evangelische Position zu Schwangerschaftsabbrüchen
Die Eckpunkte einer evangelischen Position erläuterte Diakoniepastorin Birgit Lunde. So sei eine ungewollte Schwangerschaft immer ein Konflikt zwischen dem Recht des Kindes, geboren zu werden und dem Recht der Mutter, ihr Leben zu gestalten. Lunde sagte: „Das ist eine eigenständige Entscheidung der Frau. Keine Frau, die sich entschieden hat, darf stigmatisiert oder diskriminiert werden. Sie muss gut und würdig begleitet werden in ihren Sorgen und Nöten.“
Verfassungrechtlerin Prof. Anna Katharina Mangold zur Pflicht des Landes
Einen juristischen Blick aufs Thema warf Prof. Anna Katharina Mangold. Sie wies auf ein Bundesverfassungsurteil hin, nach dem die Länder einen stationären und ambulanten Versorgungsauftrag hätten. Sie sagte: „Die Landesregierung leugnet ihre Pflicht.“ Immer wieder würde das Land darauf hinweisen, dass es keinen oder kaum Bedarf nach Abbrüchen in Kliniken gebe; die meisten würden ambulant durchgeführt und da habe Flensburg angeblich eine „Überversorgung“. Dem widersprachen etliche Gäste, unter anderem eine Krankenschwester mit langjähriger Erfahrung in der Geburts- und Kinderklinik. Ein Gast sagte: „Die Lage hier ist nicht nur prekär, sie ist mittelalterlich.“ Immer mehr niedergelassene Frauenärtz:innen in Flensburg nehmen keine Schwangerschaftsabbrüche mehr vor und die Versorgung sei nicht gesichert.
Paragraph 218: Raus aus dem Strafgesetzbuch!
Der Geschäftsführer der Diako, Pastor Dirk Outzen, forderte, die Stimme zu erheben, damit der Paragraph 218 geändert wird. „Nur so kommen wir aus der Diskussion raus“, sagte er. Wenn Schwangerschaftsabbrüche keine Straftat mehr seien, kann sich keine Praxis und keine Klinik weigern, diese vorzunehmen.
Perspektiven und eine Petition
Zum Schluss der Veranstaltung fragten die Moderatoren, welche nächsten Schritte die Gäste empfehlen würden – und trotz Unmuts gab es zahlreiche Ideen: Von Briefen an Landtagsabgeordnete, dem Unterschreiben einer Petition und weiteren Veranstaltungen mit der Politik bis hin zum Einsatz für die Veränderung des Paragraphen 218.
Wer die Petition unterschreiben möchte, kann hier klicken: https://www.landtag.ltsh.de/petitionen/uebersicht/