Wort zur Woche: Gut lutherisch

29.10.2021

Wort zur Woche von Pastor Dr. Michael Dübbers, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schleswig

Morgen ist Reformationstag. Dieser Tag erinnert an die große Reform der Kirche, die 1517 mit dem berühmten Thesenanschlag Luthers ihren Anfang nahm. An diesem Tag hat der 33-jährige Martin Luther seine 95 Thesen zum Ablasshandel veröffentlicht. Seine Ideen haben sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land verbreitet. Auch wir in unserer Nordkirche haben mit unserem evangelischen Bekenntnis unsere Wurzeln in der Reformation. Wir können also mit Fug und Recht von uns behaupten, gut lutherisch zu sein. Und doch: Was heißt es eigentlich, „lutherisch“ zu sein?

Lutherisch zu sein, heißt für mich: Ich bin in meinem Glauben und Denken frei und nur meinem Gewissen und Gott gegenüber verantwortlich. Niemandem sonst. Aber es heißt nicht, dass ich diese Freiheit anderen Menschen gegenüber missbrauche.

Lutherisch zu sein, heißt für mich: Ich bin mir meiner evangelischen Sicht auf Gott und die Welt bewusst. Aber es heißt nicht, dass ich meine Kirche oder meine lutherische Tradition für überlegen oder gar absolut halte.

Lutherisch zu sein, heißt für mich: Ich bin überzeugt, Martin Luther hatte der Welt Wichtiges zu sagen. Aber das heißt nicht, dass die Lehren von Martin Luther über jeden Zweifel erhaben wären.

Das heißt für mich, lutherisch zu sein. Aber was bedeutet der Glaube für Sie? Was heißt es für Sie, lutherisch oder reformiert, katholisch oder orthodox zu sein oder einer anderen Konfession anzugehören? Kommen Sie doch mit anderen über Ihren Glauben ins Gespräch! Zum Beispiel am Sonntag in Ihrer Kirche.