Foto: Erich Faehling

Kleine Auszeit: "Benji steht auf … und singt!"

03.04.2026

Kleine Auszeit von Pröpstin Rebecca Lenz

Im Zentrum von Cambridge gibt es eine historische Kirche, die zum Michaelhouse Centre umgebaut wurde. Glaswände wurden eingezogen, um Räume zu schaffen, in denen sich Menschen treffen können. Es wird Gottesdienst gefeiert, aber auch der Kirchengemeinderat tagt dort. Im vorderen Teil der Kirche befindet sich das St. Michaels Café. Unter der Empore ein Tresen und das Kuchenbuffet. Kaffeeduft liegt in der Luft, Hier im Café finden Obdachlose, Bedürftige oder einsame Menschen aller Altersgruppen einen offenen Treffpunkt. Interessierten Besuchern erzählt der Pastor , dass es nach seiner Erfahrung drei Arten der Armut gibt: die materielle Armut, die Beziehungsarmut und die Armut an Ich-Identität. An der materiellen Armut kann die Kirche meist wenig ändern. Doch das offene Café hilft gegen die Beziehungsarmut. Gemeinsam essen und reden –  Nahrung für die Seele. Und das Wichtigste, was der Pastor zu geben hat: Die Würdigung eines jeden Menschen mit seiner je eigenen Lebensgeschichte. Ein erster Schritt auf dem Weg, Ich-Identität wieder aufbauen. So erging es Benji. Der Mittvierziger lebte für mehrere Jahre auf der Straße. Ein Leidensgenosse nahm ihn mit zum St. Michaels Café. Mittlerweile hat Benji wieder eine Wohnung. Doch er kommt immer noch ins Café. Mit Unterstützung des Pastors hat er ein Theaterstück über seinen Weg geschrieben. Vor einer Gruppe von Besuchern steht er plötzlich auf und singt ein Lied, das er selbst gedichtet hat: I am free! Ich bin frei! Benji steht aufrecht. Die rauhe Stimme, die einfachen Worte gehen unter die Haut. Hier steht jemand, der aus dem Tiefpunkt seines Lebens aufgestanden ist. Aufstehen zu einer neuen Chance. Hier stehe ich, weil Gott zu mir steht. Eine Ostergeschichte: Auferstehung zu neuem Leben mitten im Leben.

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Pröpstin Rebecca Lenz