Kleine Auszeit: "Ein Platz für Freude"
14.08.2026
Kleine Auszeit von Pastorin Svenja Erlach, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Flensburg (Baptisten)
Bei einem Gebetsspaziergang an der Flensburger Hafenspitze bin ich über eine orange-gelbe Bank gestolpert. Solche Bänke stehen inzwischen an vielen Orten. Auf ihnen steht: „Hier ist kein Platz für Gewalt an Frauen“ oder „Hier ist kein Platz für Rassismus“.
Auf dieser Bank stand: „Hier ist kein Platz für Gewalt.“ Jemand hatte das „k“ durchgestrichen und auch das Wort „Gewalt“ verändert. Vandalismus bleibt Vandalismus. Trotzdem bin ich über das neue Wort gestolpert: „Freude“. „Hier ist ein Platz für Freude.“
Ich finde es gut, dass Gewalt sichtbar gemacht wird. Denn Gewalt gibt es viel in unserer Welt. Es braucht klare Worte und Orte, die sagen: Hier nicht. Keine Gewalt. Aber vielleicht brauchen wir daneben auch andere Sätze: Hier ja. Hier ist Freude.
Denn Freude ist mehr als ein nettes Gefühl. Menschen, die miteinander lachen und sich verbunden fühlen, können anders aufeinander zugehen. Vielleicht gibt es viele Menschen, die sich nach Freude sehnen: nach einem Ort, an dem sie aufatmen, lachen und einfach sein können. Die Bank selbst ist so ein kleiner Ort. Man kann sich hinsetzen, miteinander reden, aufs Wasser schauen oder einfach eine Weile bleiben. Ein Ort für Begegnung, Gemeinschaft und Schönes.
Der Prediger im Alten Testament wusste: Alles hat seine Zeit. Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen. Und bei Jesus ist Platz für Freude. Er ist bei einer Hochzeit, sitzt mit Menschen am Tisch und feiert mit ihnen. Auch Trauer, Angst und Scheitern müssen bei ihm nicht draußen bleiben.
Vielleicht können auch wir solche Orte werden: Menschen, bei denen andere aufatmen können. Orte, an denen Gemeinschaft entsteht und Freude ihren Platz hat. Ich bin an der Bank weitergegangen mit einem neuen Gedanken: Jetzt habe ich einen Platz für Freude. Und schön ist er auch noch.