Foto: Pamela Teistler

Kleine Auszeit: "Eiszeit? Nicht mit uns."

06.02.2026

Kleine Auszeit von Pastorin Rebekka Tibbe, Kirchengemeinde St. Jürgen in Flensburg

Eis überzieht das Land. Wenn wir ehrlich sind, friert uns gerade auf gut Deutsch der Arsch ab – und manchen offensichtlich auch das Herz ein.

Es ist eine klirrende Kälte, die durch die politischen Debatten weht. Da wird laut über die Abschaffung des Rechts auf Teilzeit nachgedacht, während die Belastungsgrenze vieler längst erreicht ist. Oder darüber, ob Zahnersatz nicht Privatsache sein sollte, als wäre Lächeln ein Luxusgut. Und in Bayern träumt ein AFD-Politiker von einer Abschiebebehörde nach dem Vorbild der US-amerikanischen „ICE“. Und der Name ist hier Programm. Diese Behörde mordet, reißt Familien auseinander. Sie agiert eiskalt.

Diese „Eis-Fantasien“ lassen mich frösteln. Die Weltlage wirkt so erdrückend, dass man sich am liebsten einigeln möchte, um sich keine emotionalen Erfrierungen zu holen. Man macht sich klein, lässt nichts mehr an sich ran und denkt: „Ich kann ja eh nichts ändern.“

Nichts da! „Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel!“, sagt Jesus. Macht euch nicht klein! Versteckt euch nicht aus Angst vor der Kälte. Stellt euer Licht lieber dahin, wo es euch und andere wärmt.

Wärme entsteht, wenn wir der empathielosen Kälte widersprechen – ob am Stammtisch oder in der WhatsApp-Gruppe –, wenn wir Petitionen gegen Sozialabbau unterschreiben oder uns in der Nachbarschaftshilfe engagieren. Oft denken wir, unser Beitrag sei zu gering. Doch wenn jede:r von uns nur einem einzigen anderen Menschen das Herz erwärmt, das vorher eingefroren war, dann bewegen wir gemeinsam eine ganze Lawine.

Seid die Stimme, die nach Gerechtigkeit fragt, wenn alle anderen nur über Kosten reden. Wir müssen die Heizung für das soziale Klima selbst hochdrehen. Durch Solidarität und durch die Weigerung, uns an die Kälte zu gewöhnen. Es liegt an uns, das Eis zum Schmelzen zu bringen.