Kleine Auszeit: "Salz statt Senf"

24.07.2026

Kleine Auszeit von Anne Vollert, Entlastungspastorin im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg

Deutschland schwitzt. Ventilatoren sind vielerorts ausverkauft, die Waldbrandgefahr steigt – und im Internet brennt es ohnehin ständig. Dort gibt jeder zu allem seinen Senf dazu. Vielleicht wäre etwas Salz hilfreicher.

Jesus sagt: Ihr seid das „Salz der Erde“ und das „Licht der Welt“. Das klingt erstmal schön, ist aber eher eine Zu-Mutung. Denn Salz bleibt nicht dekorativ am Tellerrand liegen. Es mischt sich ein. Und Licht macht nicht nur schöne Stimmung. Es zeigt auch den Staub, den wir lieber übersehen hätten.

Christlicher Glaube bedeutet deshalb nicht, sonntags ein frommes Gesicht aufzusetzen und montags wieder nach dem Motto zu leben: Hauptsache, ich komme gut durch. Was ich kaufe, teile, wegwerfe, poste oder verschweige, hat Folgen. Selbst das unscheinbarste Leben zieht Kreise – wie ein Stein im Wasser. Leider gilt das auch für Gemeinheiten in Kommentarspalten.

Gerade wird über Altersgrenzen für soziale Medien diskutiert. Verständlich. Doch vielleicht brauchen nicht nur Kinder Schutz vor TikTok, Instagram und Co. Manchem Erwachsenen täte ebenfalls eine Sendepause gut – oder wenigstens die alte Regel: erst denken, dann tippen.

„Licht der Welt“ heißt übrigens nicht: immer strahlen. Niemand muss zur menschlichen Solarleuchte werden. Manchmal genügt es, nicht noch mehr Dunkelheit zu produzieren. Ein freundlicher Satz. Eine klare Haltung. Eine helfende Hand. Ein Widerspruch, wenn Menschen verächtlich gemacht werden.

Das ist wenig spektakulär. Aber Salz wirkt schließlich nicht durch Lautstärke. Und ein kleines Licht kann erstaunlich weit reichen – besonders, wenn gerade wieder irgendwo die Sicherungen durchbrennen.