Synodentagung mit Blick auf die Transformation
13.09.2026
Die Synodentagung der Ev. Kirche in Schleswig-Flensburg am Sonnabend, 12.9.2026 im Gemeindehaus in Flensburg Engelsby begann mit einem Gedenken an den verstorbenen Präses Sven Landschoof und endete mit einem Blick in die Zukunft. Dazwischen lagen Wahlen, Berichte von Propst Helgo Jacobs und Pröpstin Rebecca Lenz und von Indra Urban aus dem Kitawerk. Außerdem war Pastor Dr. Fursan Zumot mit einem Vortrag zu Gast. Er lebt und arbeitet in Palästina. Derzeit ist er zu einem Partnerschaftsbesuch vor Ort.
Gedenken an Sven Landschoof
In der Andacht gedachten Pröpstin Rebecca Lenz und Propst Helgo Jacobs Sven Landschoof, bis zu seinem Tod im Juni 2026 der Präses der Synode war. Sie würdigten ihn als Menschen, der sich mit Zeit, Kraft und viel Herzblut für die Kirche engagiert habe. Er habe Licht und Hoffnung gebracht und sei gleichzeitig ein Anwalt der Realität mit einer Vision für die Zukunft gewesen.
Wiebke Köster wird neue Präses
Als neue Präses der Synoden haben die Kirchenparlamentarier im Anschluss Wiebke Köster mit 43 Ja-Stimmen gewählt. Anwesend waren 49 der insgesamt 77 Synodalen. Die Schulsozialarbeiterin arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich in Kirchengemeinderäten, Synoden, Gremien und Ausschüssen mit. Während der Krankheitszeit von Sven Landschoof kümmerte sie sich zuletzt als stellvertretende Synodenpräses gemeinsam mit Pastorin Sarah Hertel um die Aufgaben des Synodenpräsidiums. Pastorin Sarah Hertel bleibt weiterhin stellvertretende Präses – vorübergehend als einzige, weil es für das frei gewordene zweite Amt keine Kandidatur gab. Die stellvertretende Mitgliedschaft im Finanzausschuss hingegen haben die Kirchenparlamentarier neu besetzt: Hier wird ab sofort Maria Michalske aus Satrup mitarbeiten.
Pastor aus Palestina berichtet über Projekte und das Leben vor Ort
Im Anschluss nahm Pastor Dr. Fursan Zumot die Synodalen gedanklich mit nach Palestina, wo er seit 2024 als Pastor arbeitet und lebt. Der Kirchenkreis pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu seiner Kirchengemeinde in Betjala in der Nähe von Bethlehem, außerdem zu einer weiteren auf der anderen Seite der Grenze in Israel. Er lebe in einer Minderheit, ungefähr 10% der Bevölkerung seien Christen, berichtete Zumot. Viele seien ausgewandert, weil der politische, der soziale und der wirtschaftliche Druck zu groß seien. „Wir wissen nicht, wann hier was als nächstes passiert und das ist ein wahnsinniger Stress“, so Zumot. Dazu käme, dass man sich als Christ ständig erklären müsse. Sehr schwierig sei auch, dass seit Corona und dem Terrorangriff der Hamas am 7.10.2023 der Tourismus als Haupteinnahmequelle vollständig zum Erliegen gekommen sei. Er dankte herzlich für jede Hilfe aus dem Kirchenkreis. Der Fokus seiner Kirchengemeinde liege auf vier Projekten, berichtete der Pastor - einem Hilfsprojekt für Senioren, für die Schulkinder Verantwortung übernehmen sowie einem Sportprojekt für Kinder und Jugendliche zur Stärkung der Gemeinschaft. Weiterhin gibt es eine Hausaufgabenhilfe sowie das Gästehaus Abrahams Herberge. Hier können sich alle Religionen friedlich begegnen.
Demokratiebildung im Kitawerk - und ein paar Zahlen und Fakten
Anhand von Beispielen berichtete Indra Urban aus dem Kita-Werk eindrücklich, wie Kinder in den Kitas lernen, demokratische Entscheidungen zu treffen – zum Beispiel indem sie gemeinsam entscheiden, wie ein Fest gestaltet oder wie ein Raum neu eingerichtet wird. Auch Pröpstin Rebecca Lenz als Zuständige für die Dienste und Werke ging noch einmal auf die Arbeit des Kita-Werks ein: Dort sei es erstmals gelungen, dass keine Gemeinschaftsmittel mehr zur Finanzierung des Kitawerks eingesetzt werden müssten. Außerdem gebe es eine Trendwende: Die Anzahl der Kinder, die zu betreuen sind, gehe zurück, im letzten Jahr sei in Deutschland die Geburtenrate die niedrigste seit 80 Jahren gewesen.
Haus der Kirche in Flensburg ab 2028
Weiterhin berichtete Pröpstin Rebecca Lenz, dass unter Federführung des Diakonischen Werkes ein „Haus der Kirche“ in Flensburg entsteht, in dem künftig das Diakonische Werk inklusive der Tageswohnung für Obdachlose und der Treppe, das Kitawerk, das Jugendwerk, die Stabsstelle Medien und Kommunikation, der Organisationsberater und die Propstei eine neue gemeinsame Heimat finden. Hintergrund ist, dass die Gebäude im Johanniskirchhof und in der Mühlenstraße stark sanierungsbedürftig sind. Beide Häuser sollen verkauft werden, die neue Bleibe in der Waitzstraße mietet der Kirchenkreis an.
Kirchenentwidmungen und neue Formen der gemeindlichen Zusammenarbeit
Auch berichtete Pröpstin Lenz von den geplanten Entwidmungen der Bonhoeffer-Kirche in Jarplund und der Pauluskirche auf der Flensburger Rude sowie den Überlegungen der Kirchengemeinde Adelby-Engelsby, wie das Gemeindezentrum in Engelsby künftig genutzt werden kann.
Eine weiterer Arbeitsschwerpunkt der Pröpstin ist derzeit, Kirchengemeinden in ihrer regionalen Zusammenarbeit zu fördern und zu begleiten. So berichtete Pröpstin Lenz von zwei neuen Möglichkeiten der gemeindlichen Zusammenarbeit, für die die Nordkirche gerade die Rahmenbedingungen schafft: Künftig kann es so genannte „Gesamtgemeinden“ und „Themengemeinden“ geben. Eine Gesamtgemeinde ist rechtlich eine Fusion zu einer neuen Körperschaft öffentlichen Rechts mit einem Kirchengemeinderat und einem Haushalt. Jede Kirchengemeinde bleibt aber gleichzeitig eine Körperschaft kirchlichen Rechts mit eigenem Namen und eigener Identität.
In einer Themengemeinde ist die Basis künftig nicht mehr die Anzahl und Zugehörigkeit von Kirchenmitgliedern. Sie übernimmt themenbezogen kirchliche Aufgaben für einen größeren Bereich ohne eigenes Gemeindegebiet.
Propst Jacobs berichtet von Verwaltung und Stabsstellen
Der Bericht von Propst Helgo Jacobs stand unter der Überschrift „Digitalisierung und Transformation“. Er berichtete von neuen Verwaltungsprogrammen in der Finanzabteilung und im Meldewesen. Er sagte: „Maria und Josef mussten damals noch zu Fuß gehen, um registriert zu werden. Mit Kiris sind wir heute viele Schritte weiter.“ Weiterhin ging er auf die digitalen Personalakten ein sowie auf die Absicht, für Kiekin als internes Informationsmedium dienststellenbezogen nach und nach die verbindliche Nutzung einzuführen. Auch berichtete er von einer digitalen Anwendung, die eine Arbeitsgruppe derzeit entwickelt, um Mitgliedern einen leichteren Zugang zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen zu ermöglichen.
Außerdem ging es um die organisatorische Änderung bei den BEM-Verfahren der Verwaltung und des Kitawerks, die seit einiger Zeit von einer internen Mitarbeiterin begleitet werden und von der Bedeutung von Schutzkonzepten, um Grenzverletzungen zu vermeiden.
Wie kann die Kirche im Jahr 2040 aussehen? Pfarrstellen und ein Blick in die Zukunft
Nach dem Mittagessen widmeten sich die Kirchenparlamentarier spielerisch der Frage, wie die Ev. Kirche Schleswig-Flensburgs im Jahr 2040 aussehen soll. Schon seit einiger Zeit arbeitet eine Strategiegruppe unter der Leitung des Organisationsberaters Michael Hacker an dieser Frage. Zur Arbeitsgruppe gehören die beiden pröpstlichen Personen, die Synodenpräses, die Vorsitzende des Finanzausschusses, der Verwaltungsleiter und Mitglieder des Kirchenkreisrates.
Parallel hat sich der Kirchenkreisrat in zwei Klausurtagungen mit der Frage befasst, nach welchen Kriterien die Pfarrstellen künftig verteilt werden können, denn: Zusätzlich zum Rückgang von Finanzmitteln verzeichnet die Ev. Kirche bei pastoralen Personen nach wie vor einen Fachkräftemangel. In den nächsten Jahren gehen im Kreisgebiet Schleswig-Flensburg mehr als die Hälfte der Geistlichen in den Ruhestand und es gibt wenig Nachwuchs.
Auf der Synodentagung hatten die Kirchenparlamentarier die Aufgabe, von 20 unterschiedlichen Punkten auf einer Liste fünf zu streichen und die Liste dann an eine andere synodale Person weiterzugeben, die wiederum fünf Punkte zu streichen hatte – so lange, bis auf jeder Liste zum Schluss die drei wichtigsten Punkte blieben. Die leitende Fragestellung war: „Was ist uns wirklich wichtig?“ Zur Auswahl standen die unterschiedlichsten Facetten des Gemeindelebens vom „Sonntagsgottesdienst jeden Sonntag in jeder Gemeinde“ über den „gedruckten Gemeindebrief“ bis hin zum „Friedhof in kirchlicher Trägerschaft“. Die Auszählung zeigte, dass die Synodalen die diakonische Arbeit und Nachbarschaftshilfe sowie die Jugendarbeit in jeder Gemeinde, die Seelsorge in Pflegeheimen sowie den Internetauftritt für besonders bedeutsam hielten. Die Leitfragen der Arbeitsgruppen, die sich an das Zettelspiel anschlossen, lauteten: „Was muss 2040 unbedingt da sein?“, „Was kann entfallen?“, „Wofür sollen wir unsere Kräfte konzentrieren?“ und „welcher Verzicht ist dafür nötig?“ Dabei haben die Synodalen verschiedene Punkte herausgearbeitet, die sie am ehesten für verzichtbar halten – dazu gehören unter anderem der reguläre Sonntagsgottesdienst an jedem Ort sowie die Gebäude, die nur wenig genutzt werden. Pröpstin Rebecca Lenz kündigte an, den Transformationsprozess auf der Herbstsynode zu intensivieren.
Was die Entwicklung der Pfarrstellen angeht, müssen die künftigen Kriterien der Verteilung bis 2030 geregelt sein, dann wird es um einen Ausblick auf das Jahr 2036 gehen, so Propst Jacobs. Da nicht mehr alle Kirchengemeinden in der Synode vertreten sind, hat Propst Jacobs angekündigt, als einen nächsten Schritt auf dem Weg im November dieses Jahres die Vorsitzenden und Stellvertreter:innen der Kirchengemeinderäte einzuladen, um Vorschläge zu diskutieren. Ein Entwurf wird danach der Synode vorgelegt.