Sanierungskosten zu hoch: Flensburger Pauluskirche soll entwidmet werden

22.03.2026

In einer Versammlung der Flensburger Paulus-Kirchengemeinde am Sonntag, 22.3.2026 hat die erste Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Susanne Jürgensen, über den Gebäudezustand der Pauluskirche berichtet und wie es mit ihr weitergehen soll.

Die Versammlung fand nach dem Sonntagsgottesdienst, in dem Pröpstin Rebecca Lenz die Predigt hielt, im Gemeindesaal der Pauluskirche statt. Gekommen waren etwa 30 Kirchenmitglieder aus dem Stadtteil.

Kirchraum wegen Schimmel geschlossen: Sanierungs- und Unterhaltskosten zu hoch

Zum Gebäudezustand erläuterte Jürgensen, dass der Kirchraum seit Mai 2024 wegen Schimmelbefalls geschlossen ist. Zwei Räume im Keller sind ebenfalls geschlossen, die anderen Räume werden regulär genutzt. Der Kirchenkreis veranschlagte 2024 mindestens eine Million Euro für die Sanierung. Im Frühjahr 2025 hat die obere Denkmalschutzbehörde das Gebäude jedoch unter Denkmalschutz gestellt, wodurch die Sanierung deutlich teurer würde. Dazu kommen Kosten für energetische Maßnahmen.

Zusätzlich zu den hohen Sanierungskosten steigen die Unterhaltskosten für das Gebäude; gleichzeitig sinken die Kirchensteuereinnahmen. Aktuell gehören ca. 1.000 Mitglieder zur Paulusgemeinde.

Susanne Jürgensen sagte: „Unsere Kirche ist gesperrt und die Sanierungskosten für das Gebäude sind für die Kirchengemeinde unbezahlbar. Und die Unterhaltskosten können wir auch nicht mehr aufbringen. Wir haben lange nach einem Ausweg gesucht, wie wir damit umgehen können und wir hatten so manche schlaflose Nacht. Wir sind sehr traurig, aber wir mussten auch eine Entscheidung treffen.“

Nächster Schritt: Entwidmung

Der Beschluss des Kirchengemeinderates: Er wird bei der Landeskirche beantragen, das Gebäude entwidmen zu dürfen wird mit dem Ziel, es danach zu verkaufen. Entwidmung bedeutet, dass der Kirchraum von einem heiligen Ort in einen normalen Raum umgewandelt wird – eine der Voraussetzungen, es künftig für nicht-kirchliche Zwecke nutzen oder es verkaufen zu können. Derzeit wird ein Wertgutachten erstellt, parallel arbeitet der Kirchengemeinderat am Entwidmungsverfahren.

Kirchliches Leben auf der Rude bleibt

Entwidmung und Verkauf werden noch eine ganze Zeit dauern. Jürgensen rechnet mit etwa zwei Jahren. Sie sagte: „Solange uns das Gebäude gehört, läuft hier alles weiter wie immer.“ Und sobald absehbar ist, dass das Haus in andere Hände übergeht, will der Kirchengemeinderat für andere Räume auf der Rude sorgen. Pastorin Heike Baran sagte: „Wir wollen das kirchliche Leben auf der Rude erhalten mit Gottesdiensten, Gruppen und Gemeinschaft. Wo genau, wird sich noch zeigen.“

Zum Gebäude selbst sagte Susanne Jürgensen: „Falls sich mehrere Interessent:innen melden, spielen für die Kirchengemeinde als Verkäufer soziale Aspekte eine große Rolle bei der Entscheidung, wer den Zuschlag erhält.“ Dies quittierten die Gäste mit Applaus.

Diskussion zeigt sehr unterschiedliche Grundhaltungen

Bei der anschließenden Diskussion der Gemeindemitglieder zeigten sich schnell zwei verschiedene Grundhaltungen: So wiesen manche darauf hin, dass die Pauluskirche ein ganz besonderes Gebäude der Flensburger Nachkriegsarchitektur sei. Sie setzten sich dafür ein, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz um Förderung zu bitten und zu Spenden aufzurufen, um zumindest die notwendigsten Dinge herzurichten. Dann könne es auch an andere vermietet und so Einnahmen generiert werden, so ein Vorschlag.

Andere Gemeindemitglieder hatten eine andere Grundhaltung. So sagte beispielsweise ein Anwohner, der seit 1972 auf der Rude wohnt: „Wir müssen doch die Gemeinde so in die Zukunft führen, dass uns die Angebote erhalten bleiben. Weg mit allem, was uns finanziell zu doll belastet.“ Und eine andere ergänzte: „Lasst uns Gedanken machen, wo unser neues Zuhause sein kann. Mich beruhigt es, wenn die Arbeit mit Gottes Segen weitergeführt wird, möglichst an einem Ort, der trocken und barrierefrei ist.“

 

Hintergrundinformation zur Flensburger Pauluskirche:

Die Pauluskirche wurde 1959 / 1960 errichtet. Aktuell ist sie 66 Jahre alt. Zum Gebäude gehören neben dem eigentlichen Kirchraum auch ein Gemeindesaal, weitere Veranstaltungs- und andere Räume. Das Gebäude ist auf einer Moorlinse gebaut. Feuchtigkeitsprobleme gab es immer wieder. Im Laufe der Zeit haben sie immer weiter zugenommen.

Der eigentliche Kirchraum ist seit Mai 2024 wegen Schimmelbefall geschlossen. Betroffen sind die Holzdecke, die Wände zur Empore und die Orgel. Zwei weitere Räume im Kellerbereich sind seit September 2024 nicht mehr zugänglich. Die anderen Räume im Gebäude können jedoch genutzt werden. Insbesondere der Gemeindesaal steht für Gottesdienste und Veranstaltungen zur Verfügung.

Umfangreiche Sanierungen sind allerdings nicht nur im Kirch- und in den beiden Kellerräumen nötig. In weiteren Teilen des Gebäudes, u.a. im Kellerbereich, gibt es auch andere gravierende Schäden. Z.B. müssen die Fußböden abgetragen, abgedichtet, gedämmt und neu aufgebaut werden.

Der Kirchenkreis veranschlagte 2024 für die Sanierung mindestens eine Million Euro. Im Frühjahr 2025 hat die obere Denkmalschutzbehörde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, und dadurch wird die Sanierung deutlich teurer werden. Hinzu kommen Kosten für energetische Maßnahmen.