Kirchengemeinde Oeversee-Jarplund gibt Jarplunder Kirche mit Gemeindehaus ab

08.02.2026

Die Kirchengemeinde Oeversee-Jarplund plant, ihr Kirchengebäude mit angebautem Gemeindehaus in Jarplund zu veräußern. Darüber hat die Erste Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Pastorin Ulrike Joos, am 8.2.2026 in der Gemeindeversammlung in der voll besetzten Jarplunder Dietrich-Bonhoeffer-Kirche informiert.

„Unsere Einnahmen sinken und gleichzeitig wird der Unterhalt für unsere beiden Gemeindehäuser immer teurer. Zusätzlich stehen Sanierungskosten an. Wir können uns beide Gemeindehäuser nicht mehr leisten“, sagte Pastorin Joos.

Bis zum 1.1.2027 finden alle Veranstaltungen wie geplant in der Kirche und dem Gemeindehaus von Jarplund statt. Ab dann sind alle kirchlichen Gruppen aus Jarplund eingeladen, sich im Oeverseer Gemeindehaus zu treffen. Dort und in der Oeverseer St. Georg-Kirche ist Platz für alle Formen der Gemeinschaft und Veranstaltungen inklusive Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen. „Wir haben als Kirchengemeinde ja weiterhin ein Gemeindehaus und eine Kirche, das ist der gute Teil der Nachricht“, sagte Ulrike Joos.

Aktuell leben 640 Gemeindemitglieder in Jarplund, vor 15 Jahren war es noch über ein Viertel mehr. „Die Bevölkerung schrumpft, wir haben mehr Sterbefälle als Geburten“, beschreibt die Pastorin einen gesellschaftlichen Trend. Dazu kämen Kirchenaustritte. Sie sagte: „Wenn die Kirche im Dorf bleiben soll, muss das Dorf auch in der Kirche bleiben.“

Allein der Unterhalt des Jarplunder Gebäudes schlagt mit 20.000 Euro pro Jahr zu Buche. Für die nächsten Jahre stünden außerdem Sanierungsmaßnahmen an – Heizung, Fenster, Sanitäranlagen, Küche und Dämmung müssten erneuert werden.

Das Kirchgebäude mit Gemeindehaus war in den 1960er Jahren gebaut worden, die farbigen Bonhoeffer-Fenster hatte Jürgen Habedank von der Glasmalerei Peters in Paderborn 2003 gestaltet.

Ziel des Kirchengemeinderates für die Zukunft ist es, das Haus für die Jarplunder:innen vor Ort zu erhalten. Deshalb hat sie es in einem ersten Schritt der politischen Gemeinde zum Kauf angeboten. Die Antwort steht derzeit noch aus.

Den Bedarf an Räumlichkeiten in Jarplund zeigte die anschließende Diskussion: Sowohl der polnische Verein, der dort zweimal wöchentlich Schulunterricht für 30 Kinder anbietet, als auch der Frauenkreis und der Trägerverein ToJ mit Angeboten für Jugendliche sind Drittnutzer der Räume. Sie wissen aktuell nicht, wo sie alternativ in Jarplund unterkommen können. „Das Freizeitheim platzt aus allen Nähten“ beschrieb zum Beispiel Manfred Jendrecki, der alle Anwesenden aufrief, einen Brief an die Gemeindevertreter zu schreiben und dringend um die Übernahme durch die politische Gemeinde zu bitten.

Sollte sich die Kommunalgemeinde gegen eine Übernahme entscheiden, wird das Gebäude auf dem freien Markt veräußert. Allerdings gebe es auch hier Regularien der Landeskirche, erklärte Pastorin Joos auf Nachfrage eines Gemeindemitglieds. Verschiedene Gemeindemitglieder sagten, dass sie die Entscheidung, dass das Gebäude veräußert wird, verstehen könnten, sie dennoch traurig darüber seien.

Den Vorschlag eines Gastes, das Gebäude in kirchlicher Trägerschaft zu lassen und es als Veranstaltungsort zu vermieten, fand keine Zustimmung beim Kirchengemeinderat. Pastorin Joos sagte: „Vermietungen sind nicht unser Kerngeschäft, das können andere besser. Wir fokussieren uns auf Gottes Wort, Besuche, Seelsorge, Taufen, Trauungen und Beerdigungen, dafür sind wir da. Wenn es ein öffentliches Haus bleibt, komme ich auf Einladung gerne und gestalte hier Gottesdienste.“

Joos dankte dem Kirchengemeinderat für seine verantwortungsvolle und mutige Entscheidung im Hinblick auf den Standort Jarplund und auf weitere Themen: So berichtete Heidi Jensen-Claussen als stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates von der Sanierung der Oeverseer St. Georg Kirche, die mit ca. 1,4 Millionen Euro veranschlagt ist. Veränderungen gibt es auch auf dem Oeverseer Friedhof: Dort sind unterdessen neun Urnenfelder eingerichtet. Außerdem ist es neuerdings möglich, bei Bestattungen von Menschen Tierasche in Urnen beizugeben.

Weiterhin berichtete Silke Lorenzen von ersten Sondierungsgesprächen mit den Kirchengemeinden Tarp, Eggebek-Jörl und Wanderup, in denen es um eine mögliche Fusion geht. Ziel sei es, Bürokratie abzubauen und noch enger zusammenzuarbeiten als bisher schon.