NACHdenken und VORlesen

auf dieser Seite veröffentlichen wir in unregelmäßiger Abfolge Texte und Bilder zum Vorlesen, Nachdenken oder Meditieren.

 

 

 

Gottesdiensttext zum 24.Januar, dem 3. Sonntag nach Epiphanias

Gottesdiensttext zum 24. Januar, dem 3. Sonntag nach Epiphanias

 Im Buch Ruth im ersten Kapitel lesen wir:

1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr.

Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten?

12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.

14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.

16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Ruth 1,1-19a

 

Liebe Gemeinde,

liebe Leserin und lieber Leser,

Elimelech und Noomi haben in Juda/Israel keine Lebensgrundlage mehr. Das Land Israel ist in einer Krise. Eine Hungersnot herrscht. Die Armut wächst jeden Tag.

Die Verzweiflung lässt den Plan reifen, die Heimat zu verlassen. Wohin aber gehen? Alles aufgeben? In Moab gibt es genug zu essen für die Bevölkerung, hört die Familie von Noomi. Aber Moab wird als Feind Israels betrachtet. Voll Verzweiflung setzen sie alles auf eine Karte. Schlimmer kann es doch nicht werden. Die Angst, dass die Kinder verhungern, lässt die Eltern nicht mehr zögern. Die Flucht nach Moab ist ihre einzige Chance. Elimelech und Noomi nehmen ihr bisschen Hab und Gut, was sie tragen können. Zusammen mit ihren beiden Söhnen Machlon und Kiljon flüchten sie nach Moab.

In Moab angekommen werden sie unerwartet freundlich aufgenommen. Ja, im Laufe der Jahre gewinnt die Familie in Moab Freunde und Freundinnen. Die Wirtschaftsflüchtlinge haben es gut angetroffen. Später heiraten ihre Söhne moabitische Frauen. Eine neue Generation wird heranwachsen.

Doch nun geschieht Dramatisches. Das Blatt wendet sich: Kummer und Schmerz warten auf. Der Ehemann und Vater Elimelech stirbt, danach seine beiden Söhne. Eine Tragödie! Trauer und Schmerz erfüllen Noomi mit Bitterkeit. In einer patriarchalen Gesellschaft ist eine Frau ohne Mann ungesichert - bar jeder Existenzgrundlage. Der Tod des Vaters und seiner Söhne hinterlässt drei Witwen, die sozial nicht abgesichert sind. Versorgt sind die Frauen damals allein durch ihre Männer und ihre Familie.

Noomi hat in Moab nach dem Tod von Ehemann und Söhnen keine Familie mehr. Die Gräber liegen in Moab.

In Juda, in Israel,  hingegen lebt noch ein Teil ihrer Großfamilie, die Verwandten. Noomi beschließt in ihrer Not heimzukehren. Dieser Plan einer Rückkehr nach vielen Jahren erscheint sinnvoll, denn die Nachricht erreicht sie: in Juda ist die Hungersnot überwunden. Dem Land Juda/Israel geht es gut. Wieder heißt es, die Zelte abzubrechen und alles bis dahin Erreichte aufzugeben: Hab und Gut und Freund:innen.

Ihre Schwiegertöchter Oprah und Ruth sind Noomi sehr zugetan. Sie möchten die Schwiegermutter nicht verlassen. Beide halten zu ihr. In der Existenznot nicht allein zu sein, ist ein großes Glück. Noomi ist wirklich in Moab heimisch geworden und hat es gut gehabt, wenn sie vielleicht auch manchmal Heimweh hatte. Doch der schwere und einzig mögliche Entschluss ist gefasst. Noomi unterbreitet ihn den Schwiegertöchtern, in dem sie diese auf ihre eigene Zukunft als Frau in der damaligen Gesellschaft hinweist. Um sozial und rechtlich abgesichert zu sein, müssen sie in Moab bleiben. Dort liegt ihre Zukunft. Sie müssen in ihre Familien zurückkehren und dort  wieder heiraten. Alles andere bedeutet Rechtsunsicherheit und soziale Unsicherheit.

Ihre Schwiegertochter Oprah wird in Moab bleiben. Ihr leuchtet Noomis Argument ein.

Ruth lässt sich nicht davon abbringen, Noomi zu begleiten. Ihre Worte der Treue und Liebe zu Noomi sind berühmt geworden. Ruth erweist sich in ihrem Versprechen auf Leben und Tod als echte Freundin Noomis.  Alles lässt Ruth zurück: Familie, Heimat, ihr Volk und ihre Religion, um mit ihrer Schwiegermutter nach Juda - israel, in den Ort Bethlehem zu gehen.  Der Name Bethlehem verheißt mit seiner Bedeutung eine Zukunft: Haus des Brotes oder Haus des Lebens bedeutet dieser Ortsname.

Kann das mit den beiden Frauen in Bethlehem gut gehen? Wird Ruth nicht diskriminiert werden und nach Moab über die Grenze zurückgeschickt werden? Sicherer wäre es für Ruth in Moab zu bleiben.

Vor Ausländer:innen warnen das 5. Buch Mose und die Geschichtsbücher von Nehemia und Esra. Hier wird vor einer Verbindung, einer Ehe mit Ausländer:innen gewarnt. Ruth ist als Moabiterin mit einem Juden verheiratet gewesen. Sie wird unerwünscht sein in Juda.

Zur Erklärung: 537 v. Chr. löst Persien die Weltmacht Babylon ab. Die Juden und Jüdinnen, die von den Babyloniern gezwungen worden sind, ins Exil zu gehen, kommen nach Juda/ Isarel zurück. In den Jahrzehnten des Exils aber sind die Eroberer Assyrer und Babylonier dort in Juda eingezogen. Einige aus den Völkern der Eroberer haben sich also dort in der Heimat der Ausgewiesenen niedergelassen. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Gesellschaft hat sich vollkommen verändert. Männer und Frauen aus dem Volk der Eroberer haben sich mit jüdischen Männern und Frauen verheiratet. In einer solchen multikulturellen Welt kann sich die Frage nach der Identität stellen.

Diese Frage ist nicht nur im 6. vorchristlichen Jahrhundert aktuell. Auf unsere Tage umgemünzt heißt das: Wie sieht eine multikulturelle Gesellschaft in Deutschland, in Europa und in der Welt aus? Welchen Stellenwert hat die Nationalität?

Stellen wir Menschen mit ausländisch klingendem Namen oder people of colour , die fließend Deutsch sprechen, immer noch die verletzende Frage, wo sie herkommen. Grenzen wir Fremdes oder Fremde aus? Sind wir uns der kleinen Antirassismen in unserem Alltag bewusst? Öffnen wir die Grenzen in der Not, statt sie zu schließen? Lassen wir die Flüchtlinge vor den Toren Europas oder wie jetzt in Bosnien im Elend leben?  Wird die Möglichkeit des Todes in Kauf genommen? Wird Hass, Neid und Angst eine Chance gegeben, weil das Fremde so bedrohlich wirkt? Sagen wir, „wir zuerst“, ohne es zu merken?

Wir müssen für uns entscheiden, welche Antwort wir auf diese Fragen geben. Die Novelle von Ruth antwortet für ihre Zeit mit einem leidenschaftlichen Nein auf alle diese Fragen.

Ganz anders als das 5. Buch Mose und die Geschichtsbücher von Nehemia und Esra ist das Buch Ruth ein Plädoyer für einen offenen Nationalismus.  Bemerkenswert ist dies, da das Buch vor dem gleichen Hintergrund geschrieben wurde, wie die erwähnten Bücher der Hebräischen Bibel. Aber der Verfasser zieht andere Schlussfolgerungen:

Israel braucht diese Ausländerin Ruth, damit sich die Verheißung Gottes erfüllen kann: Gott erweist sich als König. Durch die Rückkehr Noomis mit der Ausländerin Ruth finden die beiden alleinstehenden Frauen unerwartete Hilfe, um ihr Überleben zu sichern. Sie schaffen es, sich eine Zukunft aufzubauen.

Die Solidarität zwischen zwei unterschiedlichen Frauen unterschiedlichen Alters, Herkunft und Kultur wird zum Zeichen für Gott, der alle Wege mitgeht und nicht auf Nationalitäten achtet. Die Nationalität ist nicht wichtig, die Menschlichkeit und Achtung vor dem Leben ist es. Ruth wird sich mit all ihrer Kraft dafür einsetzen, dass Noomi und sie genug zum Leben haben. Ruth wird mit Noomis Hilfe eine Lösung auf der Grundlage der jüdischen Gesetze finden. Mit einem Ausblick auf die Zukunft der beiden Frauen sei verraten, dass Boas ein entfernter Verwandter von Noomi, Ruth heiraten wird. Dadurch sind beide Frauen nach damaligem Recht rechtlich und sozial abgesichert.

Klar ist, was bei Gott zählt: Wer solidarisch ist, erfährt Solidarität, wer wie Ruth mit ihrer Güte den anderen Menschen begegnet, der wird nicht ausgeschlossen. Sondern diejenige wird selbst von Gottes Güte gewärmt.

Gottes Segen liegt auf einer Ausländerin, die ihre Treue, ihre Solidarität und Klugheit unter Beweis stellt. Ohne Ruth hätte es König David nicht gegeben. Sie ist seine Ururgroßmutter. Also endet die Geschichte mit einer heilsamen Provokation: die Ausländerin wird als Retterin Israels präsentiert.

Damit ist diese für uns so aktuelle Geschichte  zum einen eine energische Widerrede gegen eine Ausländer:innen feindliche Strömung nicht nur in der hebräischen Bibel sondern in unserer heutigen  Gesellschaft;  zum anderen ist die Geschichte ein leidenschaftliches Plädoyer für Solidarität im täglichen Miteinander. Amen.

Ihnen und Euch wünsche ich eine gesegnete Woche!

Herzliche Grüße

Anja Kapust

Über eine Rückmeldung freue ich mich. Schreiben Sie mir gerne und schreibt mir gerne
unter anja.kapust@stmattaeus-medelby.de 

 

 

 

Zeitansage

Am Beginn des Jahres befinden wir uns in der Epiphanias Zeit. So heißt die kirchliche Jahreszeit nach Weihnachten. An Epiphanias, dem 6. Januar, ziehen nach altem Brauch Kinder als Sternsinger singend von Haus zu Haus. Der Tag erinnert an den Besuch der Weisen aus dem Morgenland bei Jesus an der Krippe - und damit an das Erscheinen Gottes in der Welt. Daher kommt der Name Epiphanias, abgeleitet von dem griechischen Wort „epiphaneia“ für Erscheinung.

Epiphanias ist eines der ältesten kirchlichen Feste.

Das Licht von Weihnachen leuchtet noch weit über die Weihnachtszeit in die Welt hinein. Daher hat die Epiphanias Zeit die Farbe weiß. Weiß ist die Farbe des Lichtes und der Reinheit - die Christus Farbe. Jede „Kirchenjahreszeit“ hat eine besondere Farbe. Weihnachten und Epiphanias zeigen sich in weiß.

In jeder Kirche gibt es ein `Parament´, ein Stück gestaltetes Tuch, das am Altar oder an der Kanzel hängt. Daran lässt sich ablesen, in welcher Kirchenjahreszeit wir uns befinden.

An dieser Stelle erfahren Sie mehr über das Kirchenjahr und seine Feste. Bis zum 31.1. reicht die Epiphanias Zeit.

 

Für die Epiphanias Zeit habe ich Ihnen Texte herausgesucht, die leuchten:

 

Der Stern
Er ist nicht erloschen

er steht noch über uns

hell in den Nächten

holt aus dem Nachtschlaf

aus dem Tag-Getümmel

durchbricht lautlos

den Lärm der Welt

drängt dich weiter

bei der Suche nach Licht.

 

Der Stern heute

ein zündender Gedanke

der dich treibt

aufzubrechen

aus Feldern der Finsternis

 

 

 

 

Irischer Segen

Geh deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast,

Und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.

 

Steh mit allen auf gutem Fuß, wenn es geht,

Aber gib dich selber nicht auf dabei.

 

Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar

Und höre die anderen auch an,

Selbst die Unwissenden, Dummen - sie haben auch ihre Geschichte.

 

Laute und zänkische Menschen meide.

Sie sind eine Plage für dein Gemüt.

 

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst,

Wisse, dass Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten.

Denn es wird immer größere und geringere Menschen geben als dich.

 

Freue dich an deinen Erfolgen und Plänen.

Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden.

Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

 

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften.

Die Welt ist voller Tricks und Betrug.

Aber werde nicht blind für das,

Was dir an Tugend begegnet.

 

Sei du selbst - vor allem:

Heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst.

Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.

Sie erfährt soviel Entzauberung, erträgt soviel Dürre

Und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie Gras.

 

Nimm den Ratschluss deiner Jahre mit Freundlichkeit an.

Und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

 

Pflege die Kräfte des Gemüts, damit es dich schützen kann,

Wenn Unglück dich trifft, aber überfordere dich nicht durch Wunschträume.

Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.

 

Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir.

Im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst.

 

Du bist ein Kind der Schöpfung,

Nicht weniger wie die Bäume und Sterne es sind.

Du hast ein Recht darauf, hier zu sein.

Und ob du es merkst oder nicht -

Ohne Zweifel entfaltet sich die Schöpfung so, wie sie es sein soll.

 

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für Dich begreifst.

Und was auch immer deine Mühen und Träume sind

In der lärmenden Verwirrung des Lebens -

Halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

 

Mit all ihrem Trug, ihrer Plackerei und ihren zerronnen Träumen -

Die Welt ist doch noch schön.

                                                (Aus dem Jahre 1692)

 

 

 

 

Monatslied

Auf viele tausend Arten

Monatslied Januar

T: Matthias Lemme M: Janosch Kessler

 

Strophe1:

Ich wünsche mir, dass die Tür aufgeht

und ein Licht vor die Füße fällt.

Ich wünsche mir, dass ein Stern mich zieht

und zurück auf den Anfang stellt.

Refrain:

Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

dass der Wind sich am Ende dreht.

Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

dass was kommt und dann nicht mehr geht.

 

Strophe2:

Ich wünsche mir, dass ein Platz frei ist

an dem Tisch dort im blauen Haus.

Ich wünsche mir, dass du für mich singst

und ein Dach mir aus Tönen baust.

 

Refrain:

Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

dass der Wind sich am Ende dreht.

Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

dass was kommt und dann nicht mehr geht.

 

Strophe3:

Ich wünsche mir, dass ein Schiff anlegt,

wenn der Morgen die Nacht aufdeckt.

Ich wünsche mir, dass man mich dort braucht

und verlasse dann mein Versteck.

 

Refrain:

Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

dass der Wind sich am Ende dreht.

Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

dass was kommt und dann nicht mehr geht.

 

 ---> HIER gibt es das Monatslied zum Anhören

 

 

 

 

Worte brauchen Zeit und Raum ...

...gerade wenn sie nicht nur zum Lesen bestimmt sind sondern auch zum Hören. Nehmen Sie etwas sich Zeit. Zünden Sie sich eine Kerze an, wenn Sie mögen. Vielleicht steht eine Tasse Tee bereit oder ein Kaffee...

 

Jesus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

In der Zeit zwischen den Jahren erzählen wir uns Legenden und Märchen. Sie handeln davon: wenn der Mensch dem Menschen ein Freund oder eine Freundin ist, wird die Welt von ihrem Leid geheilt.
In dem bekannten Märchen Sterntaler verschenkt ein Waisenkind alles was es hat, um die Not der andern zu lindern. Als es bloß da steht, wird es mit einem Kleid aus Sternen, die vom Himmel fallen, beschenkt.
George Bailey ermöglicht es, den nicht so wohlhabenden Menschen ein gutes Zuhause zu bieten.
So erzählt es der Weihnachtsfilm „Ein schönes Leben“ von Frank Capra. Damit sorgt er gleichzeitig dafür, dass der geizige und schwerreiche Mr. Potter nicht die ganze Stadt besitzt.
George Bailey hat ein großes Herz für die anderen Menschen. Deren Wohl ist ihm wichtiger als der eigene Profit. Ihm geht die Not der Menschen, die von Mr. Potter finanziell ausgenommen werden, ans Herz. Der junge Mann und Familienvater handelt uneigennützig. Als er selbst in große Not gerät, spürt er am eigenen Leib die Barmherzigkeit der anderen.
Aber das Jesus Wort von der Barmherzigkeit ist nicht nur in alten Spielfilmen, Märchen und Mythen aufgehoben.
Dass Menschen sich erbarmen lassen von der Not der Mitmenschen, die ihnen zu Herzen geht, finden wir auch in der Gegenwart. Am 29.September 2020 taucht in der Redaktion der Braunschweiger Zeitung ein Mann mit einer kunstvoll bemalten Papiertüte voller Geld auf. 20.000 € als Spende für die Braunschweiger Tafel. Der Mann möchte anonym bleiben. Er will keine Spendenquittung, keinen Dank. Allein zu helfen ist sein Ansinnen. Denn er weiß, durch die Corona Pandemie sind auch die Armen in großer Not.
Die Aufforderung Jesu zur Barmherzigkeit trifft also immer wieder unser Herz und unsere Vernunft. Menschen begreifen immer wieder neu, barmherzig ist, wer einem anderen hilft. Wer das Leben höher einschätzt als den eigenen Nutzen, die eigene Sattheit und Bequemlichkeit, zumindest für einen Moment, der und die spürt, wie sich das eigene Herz öffnet: Ein solcher Mensch begegnet den anderen mit Mitgefühl.
Es ist eher schwierig, kein Mitgefühl zu haben.
Dies belegen die Forschungen von Alfred Wallace und Charles Darwin zur Evolutionstheorie. Dabei ist den Evolutionsbiologen aufgefallen, dass der Mensch nicht allein zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, sondern dass er seine Triebe und seinen Egoismus kontrollieren kann. Der Mensch, so fanden Wallace und Darwin heraus, ist zu großer Selbstlosigkeit, also Barmherzigkeit, fähig. Ja, es hat sich geradezu gezeigt, dass die Barmherzigkeit der Menschen ihr Überleben bislang gesichert hat. Nicht allein das Recht des Stärkeren und der Egoismus sondern auch die Barmherzigkeit und der Sinn für das Wohlergehen der Gemeinschaft liegen uns Menschen im Blut.
Alfred Wallace kann sich diese Tatsache nicht biologisch erklären. Vielmehr kommt er zu dem Schluss: „ Ob man es Gott nennen will, oder göttlichen Geist - Eben das, was hinter den Dingen ist.“
Die Jahreslosung drückt also eine Selbstverständlichkeit aus. Seid 2021 barmherzig, denn das ist die einfachste der Übungen, kinder - und `gottleicht´.


Herzliche Segensgrüße für das Jahr 2021
Pastorin Anja Kapust

 

                              

 

                                            

 

 

Das Licht scheint in der Finsternis

..... heißt es im Johannes Evangelium.

Das Licht der Kerze hebt sich vor der Dunkelheit leuchtend ab. Es ist schon ein bemerkenswerter Umstand, dass das Licht einer Kerze erst dann richtig sichtbar wird, wenn es in einer dunklen Umgebung erstrahlt. Wäre es taghell, so würde man die angezündete Kerze übersehen, und allein am Nachthimmel sind Sterne überhaupt sichtbar. Früh wird es dunkel. Jeden Tag ein bisschen früher. Um so zeitiger leuchten die Sterne mit ihrem Licht aus der Dunkelheit von Abend und Nacht.

Eigentlich ist der Satz aus dem Johannes Evangelium nicht erwähnenswert. Beschreibt er nicht eine ganz natürliche Tatsache.

Erwähnenswert ist das Wort trotzdem; denn das Licht in der Dunkelheit verbreitet eine Hoffnung: Es wird sich ausbreiten, die Dunkelheit erhellen und es wärmt. Das Licht strahlt und verzehrt sich, um die Dunkelheit auszuleuchten, zu vertreiben.  Diese Hoffnung, die das Licht der Sterne oder auch das Licht der Kerze in sich tragen, ist das große Aber der sich ereignenden Finsternisse:

Die Nachrichten gehen täglich von der Pandemie und deren Folgen zur Klimakatastrophe und zurück. Es ist hier gar nicht der Raum, die einzelnen Finsternisse aufzuzählen. Es ist hier aber auch nicht der Ort, mit all den Finsternissen zu enden. Vielmehr gibt es das große Aber, das den Finsternissen entgegengehalten wird: das Licht, das gerade dann sehr gut zu sehen ist, wenn es dunkel um uns herum und in uns selbst ist.

Pastorin Anja Kapust