NACHdenken und VORlesen

auf dieser Seite veröffentlichen wir in unregelmäßiger Abfolge Texte und Bilder zum Vorlesen, Nachdenken oder Meditieren.

 

 

Predigtgespräch zu Karfreitag und Ostern

Matthäus 5,43-45 (Gute Nachricht Bibel)

43»Ihr wisst, dass es heißt: ›Liebe deinen Mitmenschen; hasse deinen Feind.‹ 44Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen. 45So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne scheinen auf böse Menschen wie auf gute, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten.“

Axel: Hallo Anja, du hast des öfteren betont, dass Karfreitag und Ostern zusammen gehören. Eigentlich sollte man beide Gottesdienste an beiden Tagen besuchen, um die Dramatik zu begreifen, die da erzählt wird (und am besten noch Gründonnerstag und Ostermontag noch dazu). Aber nun sind die Feierlichkeiten auf Abstand gesetzt. Um nicht allzu viel Bibeltext unseren Leser:innen zuzumuten, habe ich eine zentrale Aussage Jesu heraus gegriffen. Sie stammt aus der sogenannten Bergpredigt Jesu. Jesus fordert dazu auf, die Feinde zu lieben. Die Leute, die ihm zuhören, fühlen sich angesprochen. Aber kann es nicht sein, dass Jesus diese Worte zunächst an sich selbst richtet? Er ist es doch, der von seinem himmlischen Vater unter Menschen geschickt worden ist, die ihn nicht verstehen. Innerhalb kurzer Zeit sammelt er Freund:innen um sich, aber auch Gegner:innen verbünden sich. Wie soll er mit seinen „Feinden“ umgehen. Und sein himmlischer Vater, wie verhält der sich? Wir sind inmitten eines dramatischen Geschehens. Die Handlungsanweisung wiederum hat Jesus bereits vorher für diesen Fall verfaßt, vor einigen Monaten auf dem Berg. Kann man diesen Gedanken so stehen lassen?

Anja: Hallo Axel, ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass Jesus die Worte zunächst an sich selbst richtet. Aber wer solches sagt und dies mit dem Anspruch der Wahrhaftigkeit tut, der stellt nicht nur an andere diesen Anspruch, sondern derjenige erfüllt ihn selbst. Also Jesus steht hinter den Worten, die er sagt. Jesus handelt so, wie er es von den Menschen damals und von uns heute beansprucht.   Meinst Du das? -

Gerade habe ich den Dialog zwischen Pilatus und Jesus aus dem Musical Jesus Christ Superstar gehört. Pilatus singt mit leicht erstaunt verachtendem Ton: „Jesus, Du bist so schmächtig. Du siehst überhaupt nicht wie ein König aus. Bist du der König der Juden?“ Darauf entgegnet Jesus mit fester, ruhiger Stimme: „Es sind Deine Worte nicht meine.“ Auf jede weitere Frage schweigt Jesus. Pilatus läuft ins Leere. Pilatus begreift nicht, wie Jesus so ruhig sein kann. „How can someone in your state be so cool about his fate“. Dieser schweigsame König erstaunt und verwirrt Pilatus. Pilatus fühlt sich provoziert.

Diese hier besungene Haltung Jesu ist die Konsequenz seiner von Dir oben zitierten Worte. Wenn ich meine Gegner oder Feinde liebe und für sie bete, dann werde ich mich nicht in ein Wortgefecht oder gar einen Kampf verwickeln lassen. Weder Gewalt durch Wort noch durch Tat sind erlaubt.

Hat das nicht etwas den Gegner, hier Pilatus, er steht stellvertretend für die Macht des Römischen Reiches, Entlarvendes?

Vorhin hast Du gar die Szene am Kreuz so interpretiert und ihr für mich noch mal einen anderen Sinn gegeben.

Axel: In dem Augenblick, in dem Jesus verstirbt, reißt der Vorhang im Tempel entzwei. In einer anderen Überlieferung tritt unversehens eine Finsternis ein. Da denke ich für einen kurzen Moment: es ist Gott doch nicht egal, was da mit seinem Sohn geschieht. Gott regt sich, er holt zum Gegenschlag aus. Aber dabei bleibt es auch. Mehr geschieht nicht. Es ist wie ein leichtes Grummeln im Welthintergrund. Ringt in diesem Augenblick Gott mit sich selbst? Als ob er sich darauf besinnt, dass er es doch ist, der „seine Sonne scheinen lässt auf böse wie auf gute“ Menschen.. Und Jesus selbst steht seinen Peinigern bei. „Sie wissen nicht, was sie tun“, sagt er in seinem Todeskampf. Er betet und bittet für die, die doch genau wissen, dass sie hier einen Menschen hinrichten. Ich rege mich auf. So vergebend und hinnehmend könnte ich nicht sein. Aber Gott im Himmel und auf Erden ist mit der Feindesliebe konsequent bis ins letzte Detail. Das macht die Feinde noch nicht zu Freunden, so weit würde ich nicht gehen. Geliebte Feinde trifft die Sache schon eher; aber das ist schon ein seltsamer Ausdruck. Ich gebe jetzt gern an dich zurück. Irgendwie müssen wir den Dreh zu Ostern hinbekommen. Sonst bleibe ich in der Dramatik vom Karfreitag stecken.

Anja: Das ist ja interessant, Du hast Jesus mit dem Gebot der Feindesliebe eingebracht und benutzt ein Wort aus der Sprache der Gewalt „Gott holt zum Gegenschlag aus“.  Es ist einfach enorm schwer, die Haltung Jesu und die Haltung Gottes auszuhalten: die Feinde zu lieben, dass Gott die Sonne über Gut und Böse scheinen lässt, oder dass Jesus für die Feinde um Vergebung bittet. Das zerreißt fast etwas in einer oder einem. Da ist eine innere Spannung. Ich wünschte mir auch, Gott würde mal „tüchtig aufräumen“. Aber vielleicht auch nicht! Denn Gott ist nicht untätig. Gott handelt also die ganze Zeit, auch wenn es so ganz anders aussieht. Die Gewaltherrschaft des Römischen Reiches, die Feigheit des Pilatus und der Machtmissbrauch der römischen Politik werden bloßgestellt. Wer seine Feinde liebt, setzt der Feindschaft eine Grenze und beweist sich so als der Stärkere. Das ist das Zerreißen des Tempelvorhangs. Da öffnet sich der Himmel zur Erde, die Trennung von Himmel und Erde ist für einen Moment aufgehoben. Da ist Ostern schon angedeutet: Auf- er- stehung.

Im Morgengrauen - in der Zeit des Übergangs von der Nacht zum Tag -  da entdecken die Frauen, das Grab ist leer und sind vom Licht geblendet. Erschrecken - Irritation, ja. Fassungslosigkeit - ja. Und dann die Stimme aus dem Licht: Jesus ist auferstanden.

Darum geht es doch um das Leben, das mächtiger ist als der Tod, um die Liebe, die stärker ist als der Hass. Von dieser Hoffnung leben wir und sie steht auf immer wieder und wieder gegen die Mächte des Todes in dieser schönen und schrecklichen Welt. Darum geht Karfreitag nicht ohne Ostern und Ostern nicht ohne Karfreitag.

Axel: Ich mußte schmunzeln als ich von dir gelesen habe, dass die Gewaltherrschaft des Römischen Reiches „bloßgestellt“ worden ist. Sofort sehe ich das Bild vor mir: Der Kaiser steht nackt und bloß da. Ein Kaiser ohne Kleider. Zu Ostern darf gelacht werden. Soeben haben sie noch Jesu die Kleider genommen. Kaum ist dies geschehen, ist die kaiserliche Autorität dahin; denn Jesus lebt. Der Auferstandene ist in den Glanz gehüllt. Das macht Hoffnung und den Widerstand stark gegen scheinbar unbezwingbare Gegner. Halleluja!Amen.

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Zeitansage - Ostern

Zeitansage:

Liebe ist stärker als der Tod

Ostern, das ist das Fest purer Freude. einer Freude, die deswegen so rein ist, weil sie die Tiefen kennt und sie doch bezwungen weiß.

Die erste Liebe oder die Geburt eines Kindes, Rettung aus höchster Gefahr – es gibt Ereignisse, die erfüllen uns mit unaussprechlicher, tiefer Freude. Singen möchte man und jubeln oder man bekommt kein Wort heraus vor lauter Glück. Ostern ist das Urdatum der Kirche. Die drei Frauen am Grab, die Jünger, denen der Auferstandene erscheint, und Maria Magdalena, sie können nach dem ersten Schrecken nicht schweigen: Jesus lebt! Die Liebe hat den Tod bezwungen. Er hat die letzte Macht über uns verloren. Jesu Auferstehung hat alles verändert. Wer gegen allen Augenschein in diesem Vertrauen lebt, der kann freier handeln, der wird aufstehen gegen alles, was das Leben bedroht. „Tod, wo ist dein Stachel?“, fragt der Apostel Paulus. (aus kirchenjahr-evangelisch.de)

Mit Ostern bricht die Osterzeit an, die 50 Tage dauert. Also ist genug Zeit zum Feiern und zur Freude auch am österlichen Schmuck. Bis dahin schmückt die Kanzel ein weißes Parament.

 

Da ich in der Zeit vom 10.-25. April bin ich im Urlaub, gibt es an den Sonntagen keine Predigten zu lesen. Aber vielleicht gibt es am 25.04. einen Präsenzgottesdienst mit dem Gottesdienstteam. Ob das möglich ist, erfahren Sie hier.

Ihnen wünsche ich eine gesegnete österliche Zeit.

Herzliche Grüße

Ihre Pastorin Anja Kapust

 

 

Pilgertour (Teil 2)

Liebe(r) Leser*in,

vor einiger Zeit habe ich über meine Pilgertour (Kirchengrußrundtour) durch unser Dorf geschrieben. Nun geht es mit den Ostergrüßen weiter.

Es geht auf das Ende der Passionszeit zu. Die Passionszeit war eine sehr ruhige und nachdenkliche Zeit. Das habe ich auch auf meiner ersten „Kartenrundtour“ gemerkt.

 

Mittlerweile ist alles viel heller und freundlicher geworden. Die Gärten blühen auf, an einigen Stellen hängt Osterschmuck draußen, und die Menschen kommen wieder raus.

Meine Runde hat sich vergrößert, ich bin nicht nur zu Fuß im Dorf unterwegs, sondern nun auch mit dem Rad in den Außenbereichen. Am Nachmittag drehe ich meine erste Runde im Nahbereich zu Fuß. Eine erste Karte geht an ein Kindergartenkind in der Nachbarschaft. Der Papa freut sich über den kleinen Schnack. Weitere Karten lege ich in die Postkästen, und freue mich bei dem Gang durch die Vorgärten an den blühenden Osterlilien und Krokussen. Zu Ostern fängt die Natur an, mit ihrer Schönheit zu prahlen – ich liebe diese Zeit.

Ein Stück weiter ist die Oma mit dem Enkel im Garten. Sofort wird die Harke beiseite gelegt und der Schnack am Zaun angefangen. Das Hauptthema überall ist natürlich Corona, Impfen usw. Aber mein Blick schweift auch immer wieder durch den Garten …. Was blüht da schon, was treibt da aus, ärgern die Maulwürfe einen? Ich wende das Gespräch in Richtung Garten und Natur, und gleich sieht alles viel freundlicher aus.

Gegen Abend fahre ich noch 2 Stellen etwas außerhalb an. Der eine Garten ist leicht verwildert, aber es grünt und blüht. Gelb ist momentan die Farbe der Blumen …. Zum Teil büschelweise. Sogar die ersten Insekten fliegen während der Radfahrt auf mich zu und krabbeln mir hinter die Brille …. Vielleicht schon Rapskäfer? Gelb ist ja deren bevorzugte Farbe …. Gelb und weiß …. Weiß ist ja die Kirchenfarbe zu Ostern, das weiße Parament wird aufgehängt.

An der anderen Stelle lege ich wieder eine Schnackpause ein … wir kennen uns gut, und gleich geht es los mit „wie weit schneidest Du die Kletterrosen, und sind deine Rosen schon am Austreiben?“ … Tipps und Ratschläge werden ausgetauscht. Ostern ….. Die Natur fängt von vorne an …. Die Auferstehung Jesu, auch hier beginnt etwas Neues. Was wird es bringen? Licht, Freude?

Licht … Leuchten … da blinkt auf meinem Handy eine „4“ auf dem Email-Zeichen …. Ohje, soviel Post? Eine der Mails heißt schlicht und einfach „Danke“ … da hat sich ein Empfänger der Osterkarten bei mir (die „Kirchenpostverteilerin“) bedankt. Eine kleine Aktion, aber die Freude ist groß.

Am nächsten Tag sind wir zu zweit mit den Fahrrädern los. Ich habe mir die Tour zurecht gelegt, Karten sortiert und los geht’s in die weiteren Außenbereiche. Das ältere Paar sitzt  mit den Enkeln und Urenkeln im Garten und genießt die Sonne. Die Kleinen toben und es blüht überall. Die Laune ist gut, der wärmste Tag des Wochenendes wird in vollen Zügen genossen.

Asphaltstraße – 2 Höfe mit Briefkästen an der Straße – die Karten werden hineingelegt. Dann ein holpriger Feldweg „querrüber“ zur anderen Straße. 4 Rehe äsen am Rand, bemerken uns erst im letzten Moment und ergreifen die Flucht. Den ganzen Winter habe ich kaum Wild gesehen – ein wunderschöner Anblick. Die ältere Dame im nächsten Haus sieht uns und kommt raus. Sie ist alleine und bekommt auch keinen Osterbesuch – es wirkt etwas traurig, also bleiben wir einen Moment stehen und reden. „Ich bin jeden Sonntag in der Kirche …. Im Fernsehen ….“ erzählt sie. Ich merke es, dass sie die Gottesdienste vermisst, umso größer ist die Freude über den Ostergruß.

Die Straße weiter entlang … einige Karten finden den Weg in die Briefkästen. Dann ist Schluss ….. Rot/Weiße Absperrungen … Schlagbaum …. Schilder auf deutsch und dänisch …. Bis hierher und nicht weiter. Wir stehen am Grenzübergang, unter uns die Grenzau, neben uns der Wildschweinzaun, vor uns ist Schluss. Ich kenne die geschlossene Grenze noch aus meiner Kindheit, aber seit 20 Jahren können wir uns hier, dank Schengen, frei bewegen. Es zieht mir den Magen zusammen, ich bin traurig, da drüben wohnt ein Teil meiner Familie. Um die zu besuchen werden mir solche Steine in den Weg gelegt. Eigentlich wollte ich mit meiner Mitfahrerin und unseren Männern einen Tag zu Ostern dorthin. Wir reden einen Moment, machen ein Foto, das wir als Gruß an die Familie senden, und machen uns wieder auf den Weg. Sind froh, dass wir soweit gesund sind, alles andere wird sich hoffentlich im Sommer wieder einpendeln.

Ein Stück weg durch den Windmühlenpark – dann eine jüngere Familie. Wir lachen und scherzen, es tut uns allen gut. Er selber ist ehrenamtlich in unserer Kirchengemeinde tätig und bekommt quasi seinen eigenen Brief als Ostergruß. Das Lachen hebt die Stimmung.

Die letzten 2 Briefe werden ein Stück weiter abgeliefert. Die Familien sind draußen, toben mit den Hunden im Garten. Im Hintergrund hört man Kühe und Hühner…. ach ja … ein paar Eier könnte ich noch mitnehmen, frisch und regional. Ich freue mich schon auf das Osterfrühstück.

Passionszeit – Osterzeit – später Himmelfahrt …. trübe Stimmung, fröhliche Stimmung, Nachdenklichkeit … das alles gehört zusammen. Sogar auf so einer kleinen Tour durch die Gemeinde kann die Stimmung so stark schwanken. Doch alles in allem steigt die Stimmung wieder. Das Frühjahr kommt, die Blumen blühen, es wird wärmer, die Menschen kommen wieder nach draußen. Und zu Ostern sitzen alle fröhlich zusammen, die lange Zeit der Entbehrungen ist zu Ende, wir und die Natur dürfen wieder aus dem Vollen schöpfen.

Allen Leser*innen eine schöne Osterzeit und bleibt gesund.

Lisa Sporn

 

 

Geschichten aus der Bibel in unserer Kirche

Da wir im Moment so gut wie garnicht in unsere schöne Kirche hinein können, werden hier in loser Abfolge Bilder aus der Kirche mit einem kleinen Text dazu erscheinen.

Anfangen möchte ich mit der Kreuzigungsgruppe

Sie ist Anfang des 16. Jhd. aus Eiche geschnitzt worden. An den Enden die Evangelistensymbole (Adler, Engel, Stier und Löwe). Darunter die Figuren der betenden Maria und des weinenden Johannes. Sie sind ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert, sind aber nicht im zusammenhang mit dem Kreuz erstellt worden.

 

 

Monatslied April

Endlich, endlich

Monatslied April
T / M: Sani Matz


Strophe1: Viel zu lange nur erinnert, wie mein Glück anfing. Viel zu lange im Kokon, wann kommt der Schmetterling? Viel zu lange nur geträumt und noch nicht aufgewacht, viel zu lange, viel zu lange.

Refrain: Und endlich, endlich reißt die Hülle auf. Endlich, endlich streck ich Flügel aus. Endlich, endlich fliegt der Schmetterling. Endlich, endlich fühl ich, wer ich wirklich bin.

Strophe2: Viel zu selten Augen zu und einfach losgetanzt. Viel zu häufig resigniert, mein Herz nicht in der Hand. Viel zu wenig Zeit zu hören, was die Seele sagt, viel zu wenig, viel zu wenig.

Refrain: Und endlich, endlich reißt die Hülle auf. Endlich, endlich streck ich Flügel aus. Endlich, endlich fliegt der Schmetterling. Endlich, endlich fühl ich, wer ich wirklich bin.

 

Hier gibt es das Monatslied zum anhören: Monatslied April

 

Jahreslosung 2021

Jesus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

 

in der Zeit zwischen den Jahren erzählen wir uns Legenden und Märchen. Sie handeln davon: wenn der Mensch dem Menschen ein Freund oder eine Freundin ist, wird die Welt von ihrem Leid geheilt.

In dem bekannten Märchen Sterntaler verschenkt ein Waisenkind alles was es hat, um die Not der andern zu lindern. Als es bloß da steht, wird es mit einem Kleid aus Sternen, die vom Himmel fallen beschenkt.

George Bailey ermöglicht es, den nicht so wohlhabenden Menschen ein gutes Zuhause zu bieten. So erzählt es der Weihnachtsfilm „Ein schönes Leben“ von Frank Capra. Damit sorgt er gleichzeitig dafür, dass der geizige und schwerreiche Mr. Potter nicht die ganze Stadt besitzt. George Bailey hat ein großes Herz für die anderen Menschen. Deren Wohl ist ihm wichtiger als der eigene Profit. Ihm geht die Not der Menschen, die von Mr. Potter finanziell ausgenommen werden ans Herz. Der junge Mann und Familienvater handelt uneigennützig. Als er selbst in große Not gerät, spürt er am eigenen Leib die Barmherzigkeit der anderen.

Aber das Jesus Wort von der Barmherzigkeit ist nicht nur in alten Spielfilmen, Märchen und Mythen aufgehoben.

Dass Menschen sich erbarmen lassen von der Not der Mitmenschen, die ihnen zu Herzen geht, finden wir  auch in der Gegenwart. Am 29.September 2020 taucht in der Redaktion der Braunschweiger Zeitung ein Mann mit einer kunstvoll bemalten Papiertüte voller Geld auf. 20.000 € als Spende für die Braunschweiger Tafel. Der Mann möchte anonym bleiben. Er will keine Spendenquittung, keinen Dank. Allein zu helfen ist sein Ansinnen. Denn er weiß, durch die Corona Pandemie sind auch die Armen in großer Not. 

Die Aufforderung Jesu zur Barmherzigkeit trifft also immer wieder unser Herz und unsere Vernunft. Menschen begreifen immer wieder neu, barmherzig ist, wer einem anderen hilft. Wer das Leben höher einschätzt als den eigenen Nutzen, die eigene Sattheit und Bequemlichkeit, zumindest für einen Moment, der und die spürt, wie sich das eigene Herz öffnet: Ein solcher Mensch begegnet den anderen mit Mitgefühl.

Es ist eher schwierig, kein Mitgefühl zu haben.

Dies belegen die Forschungen von Alfred Wallace und Charles Darwin zur Evolutionstheorie. Dabei ist den Evolutionsbiologen aufgefallen, dass der Mensch nicht allein zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, sondern dass er seine Triebe und seinen Egoismus kontrollieren kann. Der Mensch, so fanden Wallace und Darwin heraus, ist zu großer Selbstlosigkeit, also Barmherzigkeit, fähig. Ja, es hat sich geradezu gezeigt, dass die Barmherzigkeit der Menschen ihr Überleben bislang gesichert hat. Nicht allein das Recht des Stärkeren und der Egoismus sondern auch die Barmherzigkeit und der Sinn für das Wohlergehen der Gemeinschaft liegen uns Menschen im Blut. Alfred Wallace kann sich diese Tatsache nicht biologisch erklären. Vielmehr kommt er zu dem Schluss: „ Ob man es Gott nennen will, oder göttlichen Geist - Eben das, was hinter den Dingen ist.“

Die Jahreslosung drückt also eine Selbstverständlichkeit aus. Seid 2021 barmherzig, denn das ist die einfachste der Übungen, kinder - und `gottleicht´.

 

Herzliche Segensgrüße für das Jahr 2021

 

Pastorin Anja Kapust